Nachdem man das erste Mal im Jahr laufen geht, weiß man wo man fitnesstechnisch steht. Nun, scheinbar liege ich noch. Aber irgendwann ist so ein gemütlicher Winter auch mal vorbei und man ist gezwungen, 2 bis 7 Schichten Klamotten abzutragen. Peinlich, wenn man sich darunter als Bibliothekar aus “Blade” offenbart. Solch eine Körperform ist nicht nur unschön anzusehen. Sie bringt auch körperliche Defizite mit sich. So könnte meine Freundin beispielsweise auf einem Sack Kartoffeln masturbieren und es würde sich anfühlen wie Sex mit mir. Um ein wenig Selbstachtung wiederzuerlangen beschloss ich also, mit dem Laufen anzufangen. Dagegen sprach auch nichts. Das Wetter war schön, ein Zeitfenster vorhanden und ich im Besitz von Laufschuhen, die diese Bezeichnung auch verdienen und einen Laufkomfort bieten, der etwas überhalb eines an die Sohle getackerten Stückchens Pappe liegt.

Also zog ich Kleidung an, die hinterher wegzuwerfen ich nicht scheuen würde. Denn erfahrungsgemäß rieche ich nach dem Joggen wie eine gichtkranke Giraffe, die sich nach dem Genuß von 2 Litern Pavianschweiß übergeben hat. Nun konnte es endlich losgehen und ich schlich mich durch Gebüsche und unter Autos entlang langsam Richtung Wald. Eine Entdeckung durfte ich nicht riskieren, um nicht wie als fetter Mann erkannt zu werden, welcher sich im Schutz des Waldes sportlich zu betätigen sucht. Als ich nach 4 Stunden den Waldeingang an der Teichstrasse erreichte, begann ich einen leichten Trab und fühlte mich sehr erfrischt. Nach ungefähr 20 Metern stellte sich jedoch eine gewisse Unlust ein und ich überdachte angestrengt mein Handeln. Nichtsdestotrotz lief ich weiter und schnaufte wild, sodass alle anwesenden Wildtiere davon stoben und im Wald umher streunende Bärlauchsammler vor Schreck ohnmächtig wurden. Ein Pärchen kam mir entgegen und ich konnte ihrem Blick entnehmen, dass sie sich fragten wie ein Bisent aus dem Wildpark entkommen und über den Fluss gelangen konnte. Beschämt meinen Blick senkend, trabte ich weiter. Nach gefühlt 2,5 langen Märschen durch mindestens zwei Länder auf vier Kontinenten, kam ich an einer mir bekannten Stelle zurück auf die Straße und brach dort zusammen. Wie lange ich dort lag, kann ich nicht sagen. Ich blickte zum Himmel und sah aus dem Augenwinkel, wie eine elfengleiche Person an mir vorüber glitt. Ich starrte ungläubig und begriff erst nach einer halben Ewigkeit, dass diese Person eine Joggerin war. Mühelos schritt sie davon. Ihr gebräunter schlanker Körper sah aus, als hätten die Power Rangers einen Mega Zord aus geräucherten Meeresfrüchten erschaffen. Ich hatte jedoch keine Zeit, mich lange über sie zu wundern, da sich mein Hungergefühl meldete und mir befahl, schnell den heimatlichen Herd aufzusuchen, um mir 2 Kilogramm Nudeln mit Mayonnaise in den Kopf zu stecken.

Am Haus angekommen stellte ich mit Schrecken fest, dass ich lediglich den Haustürschlüssel, nicht aber den vom Hauseingang mitgenommen hatte. Ich klingelte Sturm und weder meine Freundin noch der sich mit uns in einem gemeinsamen Mietverhältnis befindende Herr Doktor Berndt öffnete mir die Tür. All mein Vertrauen in den Hund setzend, versuchte ich den Jingle der Frolic Werbung nachzuklingen. Ohne Erfolg. Gottseidank erbarmte sich nach ungefähr 7 Stunden ein Hausbewohner, das Haus zu verlassen um seinen Vorrat an Gösser aufzufüllen. Geschwind huschte ich ins Haus und schloss mich, in den eigenen vier Wänden angekommen, im Badezimmer ein, um diese Zeilen zu schreiben.

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