An den südosteuropäisch anmutenden Fahrer des S-500, der mich eben auf der Industriestraße beinahe überfahren hat:

Ich radelte auf dem Fahrradstreifen (ja, ICH fuhr auf meiner Seite der Straße) entlang, als du mir mit 120 Sachen frontal entgegen kamst, weil du in einer 50er-Zone zwei Autos überholen musstest. Hui, warst du schnell unterwegs! Als du meinen Ellenbogen um ca. 30 cm verfehlt hast – was mir bei 120 km/h dann doch ein wenig eng deucht – fiel mir trotz meiner Todesangst noch dein Gesichtsausdruck auf. Ich kenne diese Mimik. Wenn man trotz innerlicher Anspannung noch versucht, gelassen auszusehen. Kenne ich. Passiert mir aber ehrlich gesagt eher, wenn ich meine Ex im Netto sehe. Ich bringe andere Menschen recht selten in Lebensgefahr, weißt du?
Ich war erschrocken, fasste mich aber schnell, hielt an und fuhr dir hinterher. Am Kreisverkehr hab ich dich dann aus den Augen verloren, dabei hatte ich mein Fahrradschloss schon in der Hand. Ich sag dir mal was passiert wäre, hätte ich dich eingeholt. Ich hätte in irgendeiner Form mein Schloss oder Fahrrad gegen deinen Benz geworfen. Du wärst natürlich so dumm gewesen, auszusteigen. Dann hätte ich dich totgeschlagen. 31 Jahre Erfahrungen und Erlebnisse mit Idioten des Straßenverkehrs hätten sich durch mein Fahrradschloss in dein Gesicht entladen.
Aber du warst zu schnell für mich. Schade. Ich bin heute, glaube ich, nur knapp dem Tod entkommen. Du aber auch, Homeboy. Du auch.

Advertisements