Mal Hand aufs Herz und Butter bei die Fischsurrogatstäbchen: man sucht sich seine Hausärzte nach einfachen Kriterien aus.

1. Nähe zur Wohnung. Niemand hat Bock, sich krank mehr als 200m weit zu bewegen. Außer in Berlin, wo man generell immer mehr als 24km vom nächsten Irgendwas entfernt ist.

2. Wartezeit. Mehr als eine Stunde Warten finde ich für einen Hausarztbesuch nicht akzeptabel. Man sollte also Arztpraxen meiden, in denen das Durchschnittsalter der Patienten die eigene Kontonummer übertrifft.

3. Erfahrungswerte. Kennt man jemanden, der sich dort behandeln lässt (seinen Krankenschein abholt)? Welche Erfahrungen hat diese Person dort gemacht?

Folglich ist meine Hausärztin die Mutter eines Bekannten, ich laufe nur 5 Minuten und warte höchstens 45. Da ich selten ernsthaft ungesund bin, war ich immer höchst zufrieden mit ihr. Bis ich vor einer Woche krank wurde. Klug wie ich bin, ging ich nämlich mit einem Schnupfen weiterhin arbeiten, woraus ein völliger Zusammenbruch meines Kreislaufs (etwas Halsweh) und hohes Fieber (leichtes Schwindelgefühl) resultierten. Ich ersuchte also ärztlichen Rat und ging dazu in besagte Praxis. Obwohl mir beim Öffnen der Tür bereits, von der Arzthelferin mühsam gestapelte, Rentner entgegenfielen, wurde ich nach 45 Minuten aufgerufen. Ich betrat den Raum und schilderte mein Gebrechen. Was folgte, war ein flüchtiger Blick in meinen Rachen, 5 Sekunden Abhören meiner Atemwege und ein genuscheltes „hmm… Lunge is frei“. Dann noch ein Rezept für ein besseres Lutschbonbon und den Krankschein. Nach 2 Minuten war ich draußen und beruhigt. Ist also doch nichts Schlimmes. Puh, also doch kein Krebs-Aids.

Die nächsten 4 Tage waren… unschön. Ich habe insgesamt 7 Stunden geschlafen und 4 Rollen Klopapier vollgerotzt und zugeschleimt. Nein, Frau Dr. Namensagichliebernich. Anscheinend ist es doch kein kleiner grippaler Infekt. Statt dessen irgendetwas Bakterielles. Und ich habe kein Antibiotika im Haus. Macht nichts, geh ich einfach nochmal hin, sollte es mir nicht in ein paar Tagen besser gehen (ging es nicht). So geschehen heute. Ich habe sie mit allem konfrontiert, was ich zu bieten hatte. Und diese Frau ignoriert das alles so gekonnt und kaltschnäuzig, dass ich vermuten muss, sie betreibt diese Art von Abfertigung schon seit Jahren. Peng! 2 Minuten später waren ich und mein neues Rezept für Lutschtabletten bereits wieder in der Frühlingssonne.

Ehrlich, sowas geht gar nicht. Und trotzdem bin ich allein an meiner Misere schuld. Wer hat sich denn aus den völlig falschen Gründen für diese Ärztin entschieden? In einem Viertel mit über 20 Hausarztpraxen! Jetzt liege ich unter 3 Decken und hoffe, dass das Kribbeln bei jedem Atemzug keine Lungenentzündung ist. Selbstverständlich werde ich der Frau in allen Portalen, wo sowas möglich ist, eine schlechte Bewertung reindrücken (ehrlich, ich finde raus was ihr ebay Account ist, kaufe irgendeinen Scheiß wie einen Gartenstuhl und bewerte sie schlecht weil der Stuhl die Pest hat und sie das in der Artikelbeschreibung nicht angegeben hat!).

Ich schreibe das jetzt nicht weil es ein lustiges Erlebnis war, sondern weil es eine scheiß Metapher auf unser Leben ist. Wir treffen mutwillig dumme Entscheidungen und sind nicht mutig genug, proaktiv dagegen vorzugehen. Statt dessen ärgern wir uns im Stillen und schreiben einen scheiss Blogartikel, anstatt der Ärztin offen zu sagen dass man mit dieser Abfertigung nicht zufrieden ist.

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